Buchneuerscheinung »Leben und erinnern nach Mauthausen«: Die Geschichte endete nicht mit der Befreiung

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Die Buchreihe »Europa in Mauthausen« ist eines der größten Forschungsprojekte, das jemals über ein einziges Konzentrationslager (KZ) durchgeführt wurde. Der neue und letzte Band der vierteiligen Buchreihe untersucht erstmals umfassend, wie ehemalige Häftlinge nach ihrer Befreiung im Mai 1945 mit den Folgen von Verfolgung und Gewalt lebten, wie sie ihre Erfahrungen erinnerten – oder schwiegen – und welchen Beitrag sie zur europäischen Erinnerungskultur leisteten. Die Buchreihe, erschienen im Böhlau Verlag, entstand unter Leitung von Gerhard Botz vom ehemaligen Ludwig Boltzmann Institut für Historische Sozialwissenschaft und unter maßgeblicher Beteiligung des Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH). Sie verbindet historische Grundlagenforschung mit innovativen Ansätzen der Oral History und der digitalen Geschichtswissenschaft. Herausgeber:innen sind Gerhard Botz, Alexander Prenninger, Regina Fritz und Heinrich Berger.
Pressemeldung,
Der vierte und letzte Band der Buchreihe »Europa in Mauthausen« widmet sich der Frage, welche Bedeutung die Zeit der Verfolgung, insbesondere die Haft in Mauthausen, für das Leben der Überlebenden nach 1945 hatte.
 
Wien, 10. August 2026 – Die Buchreihe »Europa in Mauthausen« ist eines der größten Forschungsprojekte, das jemals über ein einziges Konzentrationslager (KZ) durchgeführt wurde. Der neue und letzte Band der vierteiligen Buchreihe untersucht erstmals umfassend, wie ehemalige Häftlinge nach ihrer Befreiung im Mai 1945 mit den Folgen von Verfolgung und Gewalt lebten, wie sie ihre Erfahrungen erinnerten – oder schwiegen – und welchen Beitrag sie zur europäischen Erinnerungskultur leisteten. Die Buchreihe, erschienen im Böhlau Verlag, entstand unter Leitung von Gerhard Botz vom ehemaligen Ludwig Boltzmann Institut für Historische Sozialwissenschaft und unter maßgeblicher Beteiligung des Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH). Sie verbindet historische Grundlagenforschung mit innovativen Ansätzen der Oral History und der digitalen Geschichtswissenschaft. Herausgeber:innen sind Gerhard Botz, Alexander Prenninger, Regina Fritz und Heinrich Berger.
 
Im Zentrum steht das Mauthausen Survivors Documentation Project, eine der weltweit größten Sammlungen lebensgeschichtlicher Interviews mit Überlebenden eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers. Mehr als 850 Audio- und Videointerviews in 18 Sprachen bilden die Grundlage für neue Forschungen zu Verfolgung, Überleben und Erinnerung. Die Buchreihe verbindet diese außergewöhnliche Quellengrundlage mit aktuellen Fragestellungen der internationalen Zeitgeschichtsforschung und macht sie für Forschung, Bildung und Erinnerungskultur nachhaltig nutzbar.
 
Band vier: Ein Blick auf die Zeit nach der Befreiung 1945
Während sich der erste Band »Mauthausen und die nationalsozialistische Expansions- und Verfolgungspolitik« auf die Einführung und der Darlegung der methodischen Zugänge sowie die Rolle eines KZs wie Mauthausen im NS-Regime konzentriert, stehen im zweiten Band »Deportiert nach Mauthausen« die Schicksale der Häftlinge, ihre Deportationen und Verlegungen innerhalb des NS-Lagersystems im Fokus. Der dritte Band »Gefangen in Mauthausen« gibt einen Einblick in den unvorstellbaren Alltag der Häftlinge im KZ Mauthausen, und seiner über 40 Außenlager.
 
Mit Band vier findet eines der umfangreichsten internationalen Forschungsprojekte zur Geschichte des Konzentrationslagerkomplexes Mauthausen seinen Abschluss. Der in 2026 erschienene Abschlussband »Leben und erinnern nach Mauthausen« richtet den Blick auf die Zeit nach 1945. Die Beiträge zeigen, wie unterschiedlich Überlebende in Europa, Israel sowie Nord- und Südamerika ihre Rückkehr in ein ziviles Leben erlebten. Sie behandeln die körperlichen und psychischen Folgen der Haft ebenso wie Fragen von Entschädigung, juristischer Aufarbeitung, gesellschaftlicher Anerkennung und den Aufbau nationaler wie transnationaler Erinnerungskulturen. Zugleich wird deutlich, dass Erinnerungen an die Verfolgung nicht statisch sind, sondern sich im Laufe des Lebens und unter dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen immer wieder neu formen.
 
„Die Befreiung bedeutete für viele Überlebende keineswegs das Ende ihrer Geschichte. Unsere Forschung zeigt, dass die Erfahrungen von Verfolgung und Gewalt ihre Lebenswege oft über Jahrzehnte prägten und zugleich die europäische Erinnerungskultur nachhaltig beeinflussten“, erklärt Mitherausgeber und Senior Researcher Alexander Prenninger am Ludwig Boltzmann Institute for Digital History (LBIDH).
 
Die Geschichte der Überlebenden erstmals aus gesamteuropäischer Perspektive
Mit der Reihe »Europa in Mauthausen« liegt nun erstmals eine Gesamtdarstellung vor, die die Geschichte der Überlebenden des Konzentrationslagerkomplexes Mauthausen aus einer gesamteuropäischen Perspektive erzählt. Von den politischen Voraussetzungen ihrer Verfolgung über Deportation und Lagerhaft bis hin zu den langfristigen Folgen der nationalsozialistischen Gewalt. Mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern haben an den vier Bänden mitgewirkt.
 
Die Publikation unterstreicht zugleich das Potenzial lebensgeschichtlicher Interviews als historische Quellen. Durch die Verbindung von Oral History, Archivforschung und digitalen Forschungsmethoden eröffnet das Projekt neue Möglichkeiten, große mehrsprachige Interviewbestände wissenschaftlich auszuwerten und für Forschung, Bildung und Gedenkarbeit langfristig nutzbar zu machen.
 
Alle Bände der Buchreihe sind ab 45 Euro im ausgewählten Buchhandel erhältlich und können auch als Open Access E-Book in der Vandenhoeck & Ruprecht eLibrary heruntergeladen werden.
 
 
Bibliografische Angaben
Alexander Prenninger, Gerhard Botz, Regina Fritz, Heinrich Berger (Hg.)
 
»Leben und erinnern nach Mauthausen«
Europa in Mauthausen. Geschichte der Überlebenden eines nationalsozialistischen Konzentrationslagers, Band 4
 
Böhlau Verlag, Wien, 2026
ISBN 978-3-205-22266-8 (Print), ISBN 978-3-205-2267-5 (Open Access)
Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG)

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungs- und Forschungsförderorganisation mit dem Fokus „Science for Society“. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Medizin und Life Sciences, weitere Bereiche sind die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern Ludwig Boltzmann Institute (LBI) und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen Akteur:innen wie der Zivilgesellschaft, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor. Mit dem Förderprogramm Klinische Forschungsgruppen (KFG) bietet die LBG Österreichs erste Förderschiene im Bereich der nicht-kommerziellen krankheits- und patientenorientierten (translationalen), kooperativen klinischen Forschung. Teile der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das die Potenziale von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, und das LBG Career Center, das junge Forscher:innen bei der Erreichung ihrer individuellen Karriereziele inner- oder außerhalb der Wissenschaft unterstützt. lbg.ac.at

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