Welt-Alzheimertag: Neue Impulse für einen offenen und inklusiven Umgang mit Demenz

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Rund 170.000 Menschen in Österreich leben Schätzungen zufolge mit einer Demenzerkrankung. Dennoch ist Demenz nach wie vor mit Unsicherheit, Stigmatisierung, Ängsten und Tabus verbunden. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September stellt das Projekt „Ankerpunkte“ deshalb eine Frage, die über medizinische und pflegerische Aspekte hinausgeht: Wie können Menschen mit Demenz selbstverständlich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben? Das Projekt wird unter der Leitung des Open Innovation in Science Center der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG OIS Center) gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) umgesetzt. Als Praxispartner bringt der Verein Nachbarschaftskultur lokale Expertise und Vernetzung ein und unterstützt die partizipative Umsetzung vor Ort.
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Im Waldviertel in Niederösterreich entwickelt das Projekt „Ankerpunkte“ der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) künstlerisch-kreative Angebote für Menschen mit und ohne Demenz, die Begegnung ermöglichen und soziale Teilhabe stärken sollen.

Wien, 15. September 2026 – Rund 170.000 Menschen in Österreich leben Schätzungen zufolge mit einer Demenzerkrankung. Dennoch ist Demenz nach wie vor mit Unsicherheit, Stigmatisierung, Ängsten und Tabus verbunden. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September stellt das Projekt „Ankerpunkte“ deshalb eine Frage, die über medizinische und pflegerische Aspekte hinausgeht: Wie können Menschen mit Demenz selbstverständlich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben? Das Projekt wird unter der Leitung des Open Innovation in Science Center der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG OIS Center) gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI-GMR) umgesetzt. Als Praxispartner bringt der Verein Nachbarschaftskultur lokale Expertise und Vernetzung ein und unterstützt die partizipative Umsetzung vor Ort.

„Menschen mit Demenz sind nicht nur Patient:innen oder Pflegebedürftige. Sie haben Interessen, Bedürfnisse und den Wunsch nach Austausch und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit ‚Ankerpunkte‘ wollen wir erproben, wie künstlerisch-kreative Begegnungsräume dazu beitragen können, Menschen mit und ohne Demenz zusammenzubringen und Berührungsängste abzubauen“, erklärt Andrea Schmidt, Projektleitung und Senior Expert im LBG OIS Center.

Begegnung statt Rückzug
„Ankerpunkte“ wurde in einem partizipativen und co-kreativen Prozess mit Wissenschafter:innen, Demenzexpert:innen, Künstler:innen, Community Nurses, Angehörigen sowie Betroffenen entwickelt. Bereits im Juni 2026 wurde eine erste Serie von Workshops erprobt und weiterentwickelt. Mit heute startet nun die zweite Workshop-Serie. Die Angebote reichen von Zeichnen und Gestalten über Musik und gemeinsames Singen bis zu Bewegung und Tanz. Sie richten sich an Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige und Interessierte. Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Gerade im ländlichen Raum bestehen besondere Herausforderungen für gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe. Größere Distanzen, eingeschränkte öffentliche Verkehrsverbindungen und ein begrenztes Angebot an demenzsensiblen und inklusiven Aktivitäten können die Teilnahme erschweren. Gleichzeitig bieten Gemeinden, Vereine, Nachbarschaften und persönliche Netzwerke Möglichkeiten, direkt an bestehende Gemeinschaften anzuknüpfen. „Ankerpunkte“ nutzt dieses Potenzial, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort neue Möglichkeiten für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe zu entwickeln und zu erproben.

Teilhabe ist ein Menschenrecht
Menschen mit Demenz sind vom Schutz der UN-Behindertenrechtskonvention erfasst. Damit sind zentrale Prinzipien wie Selbstbestimmung, Nichtdiskriminierung, Inklusion, Partizipation und Barrierefreiheit auch für den gesellschaftlichen und kulturellen Umgang mit Demenz relevant. Aus menschenrechtlicher Perspektive geht es deshalb nicht nur darum, spezielle Angebote für Menschen mit Demenz zu schaffen. Rahmenbedingungen sollen so gestaltet werden, dass Menschen mit Demenz gleichberechtigt und selbstbestimmt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können.

„Menschen mit Demenz sind weit mehr als ihre Diagnose. Wir müssen sie mit ihren Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen ernst nehmen und ihre Würde achten. Dazu gehört, Barrieren abzubauen und Bedingungen zu schaffen, unter denen sie selbstbestimmt am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben können. Projekte wie ‚Ankerpunkte‘ können dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, erklärt Sabine Mandl, Senior Researcher am LBI-GMR.

Was aus den Erfahrungen im Waldviertel gelernt werden kann
Das LBG OIS Center führt die wissenschaftliche Begleitung von „Ankerpunkte“ gemeinsam mit dem LBI-GMR durch. Untersucht wird, wie Menschen mit und ohne Demenz gemeinsame kreativ-künstlerische Interventionen erleben, und welche Gelingensbedingungen sich daraus für ebensolche Angebote ableiten lassen. „Die gewonnenen Erfahrungen sollen über die im Projekt beteiligte Region hinaus nutzbar werden“, erklärt Schmidt. Geplant ist ein praxisorientiertes Handbuch, das insbesondere Gemeinden erprobte Ansätze und praktische Erfahrungen zur Verfügung stellt und sie dabei unterstützen soll, entsprechende Angebote im eigenen lokalen Umfeld umzusetzen.

„Ankerpunkte“-Termine im Waldviertel
Die Angebote richten sich an Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige und Interessierte. Die Teilnahme ist kostenlos, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Zeichnen und Gestalten mit Anne Glassner | Pfarrhaus Sallingberg

  • September, 14.00–16.00 Uhr
  • Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • November, 14.00–16.00 Uhr
Musik mit Eveline Hieblinger und Josef Richter | Gasthaus Hörndl, Neupölla
  • September, 14.00–16.00 Uhr
  • Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • Oktober, 14.00–16.00 Uhr
  • November, 14.00–16.00 Uhr

Bewegung und Tanz mit Cornelia Voglmayr | Sportrestaurant Hinger, Waldenstein

  • September, 14.30–16.30 Uhr
  • Oktober, 10.00–12.00 Uhr
  • Oktober, 14.30–16.30 Uhr
  • November, 10.00–12.00 Uhr

Forschung und Kunst treffen am 21. September auch in Wien aufeinander
Anlässlich des Welt-Alzheimertags bringen das LBG OIS Center und die Universität für angewandte Kunst Wien die Bereiche Forschung, Kunst und Praxis zusammen. Unter dem Titel „Vom Erinnern und Vergessen: Neue Perspektiven auf Demenz durch Forschung und Kunst“ treffen die Projekte „Ankerpunkte“ und „DEMEDARTS“ aufeinander. Die Veranstaltung richtet sich an Demenzexpert:innen, Künstler:innen, Forschende, Politiker:innen, Betroffene, Vertreter:innen von Interessensgruppen und alle Interessierten. Die Veranstaltung findet am Montag, 21. September 2026, von 18.00 bis 20.00 Uhr in der Kassenhalle der ehemaligen Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien statt. Weitere Informationen: https://ois.lbg.ac.at/events/vom-erinnern-und-vergessen-neue-perspektiven-auf-demenz-durch-forschung-und-kunst/


Rückfragehinweis:

Konstantin Kraus, BSc BA
LBG OIS Center
Tel.: +43 676 3537253
konstantin.kraus@lbg.ac.at

Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG)

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungs- und Forschungsförderorganisation mit dem Fokus „Science for Society“. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Medizin und Life Sciences, weitere Bereiche sind die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern Ludwig Boltzmann Institute (LBI) und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen Akteur:innen wie der Zivilgesellschaft, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor. Mit dem Förderprogramm Klinische Forschungsgruppen (KFG) bietet die LBG Österreichs erste Förderschiene im Bereich der nicht-kommerziellen krankheits- und patientenorientierten (translationalen), kooperativen klinischen Forschung. Teile der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das die Potenziale von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, und das LBG Career Center, das junge Forscher:innen bei der Erreichung ihrer individuellen Karriereziele inner- oder außerhalb der Wissenschaft unterstützt. lbg.ac.at

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Presse­kontakt

Mag. Werner Fulterer (LBG)

Mag. Werner Fulterer
Ludwig Boltzmann Gesellschaft 
Tel.: +43 1 513 27 50 - 28 
werner.fulterer@lbg.ac.at