Zum 8. März: Ökonomische Selbstbestimmung für Frauen* mit Behinderungen

Neues Projekt von LBI-GMR und FmB mit innovativem Mentorinnen-Ansatz

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Zum Internationalen Frauentag machen das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI‑GMR) und FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen auf ein neues österreichweites Projekt aufmerksam, das die Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen in den Mittelpunkt stellt. Im Fokus stehen zwei eng miteinander verbundene Themen: ökonomische Selbstbestimmung und der Umgang mit „Mental Load“.
Pressemeldung,
Wien, 5. März 2026 – Zum Internationalen Frauentag machen das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI‑GMR) und FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen auf ein neues österreichweites Projekt aufmerksam, das die Lebensrealitäten von Frauen* mit Behinderungen in den Mittelpunkt stellt. Im Fokus stehen zwei eng miteinander verbundene Themen: ökonomische Selbstbestimmung und der Umgang mit „Mental Load“.

Frauen* mit Behinderungen sind in Österreich nach wie vor strukturell benachteiligt. Sie sind seltener erwerbstätig, häufiger armuts- oder ausgrenzungsgefährdet und berichten häufig von hoher psychischer Belastung und intensivem Mental Load. Dieser beschreibt die oft unsichtbare Arbeit von Frauen* rund um Organisation, Planung und Verantwortung im Alltag. Frauen* mit Behinderungen sind dabei mehrfach belastet, insbesondere durch die zusätzliche Arbeit, die nötig ist, um tagtägliche Barrieren zu bewältigen und notwendige Unterstützungsleistungen zu organisieren.

Das Projekt setzt genau hier an und verfolgt dabei einen innovativen Ansatz: Frauen* mit Behinderungen werden selbst zu Mentorinnen und teilen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Strategien im Dialog mit anderen Frauen* mit Behinderungen. Diese Methode stärkt Selbstbestimmung, schafft Vertrauen und eröffnet neue Wege, die direkt aus den Lebensrealitäten der Frauen* entstehen.

Das im November 2025 gestartete Projekt: „Frauen* mit Behinderungen als Mentorinnen für ökonomische Selbstbestimmung – Strategien zur Entlastung von Mental Load“ wurde von LBI‑GMR und FmB entwickelt und wird bis Ende 2026 gemeinsam umgesetzt. Fördergeber ist das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF).

Projektseite LBI‑GMR: https://gmr.lbg.ac.at/frauen-mit-behinderungen-als-mentorinnen-fuer-oekonomische-selbstbestimmung-strategien-zur-entlastung-von-mental-load/
Projektseite FmB: https://fmb-frauenmitbehinderungen.at/geld/
 
Erste Schritte: Peer-Expertinnen-Beirat und Mentorinnen-Dialog in Wien
Am 28. Jänner 2026 fand die konstituierende Sitzung des projekt­eigenen Peer-Expertinnen-Beirats statt. Frauen* mit Behinderungen mit Erfahrung in Selbstvertretung, Beratung, Gleichstellungsarbeit und Barrierefreiheit bringen dort ihre fachliche und persönliche Expertise ein. Sie begleiten das Projekt inhaltlich und stellen sicher, dass es konsequent an den Lebensrealitäten der Frauen* ansetzt.

Der erste Austausch im Rahmen der Mentorinnen‑Dialoge wurde am 27. Februar in Wien durchgeführt. In zwei parallel geführten Kleingruppen teilten 14 Frauen* mit unterschiedlichen Behinderungen ihre Erfahrungen zu finanzieller Selbstbestimmung trotz Erwachsenenvertretung sowie zu begrenzten Arbeits‑ und Verdienstmöglichkeiten. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig die Barrieren sind, mit denen sie konfrontiert sind – zwischen gemeinsamen Erfahrungen und sehr unterschiedlichen individuellen Strategien.“  Die teilnehmenden Frauen* erlebten die Dialoge als Raum des Voneinander-Lernens, der gegenseitigen Bestärkung und gelebten Solidarität. Das Bedürfnis nach weiteren Austauschräumen, in denen die Erfahrungen der Frauen* Sichtbarkeit und Anerkennung finden, war groß.
 
Warum das Projekt notwendig ist
Die Datenlage zeigt:
  • Nur 12,1 % der Frauen* mit Behinderungen in Österreich sind erwerbstätig (Männer mit Behinderungen: 18,4 %).
  • 24 % sind armuts- oder ausgrenzungsgefährdet (Frauen* ohne Behinderung: 15 %).
  • Viele von ihnen berichten über hohe psychische Belastungen und einen besonders intensiven Mental Load.
Diese Realität widerspricht menschenrechtlichen Verpflichtungen wie der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD) und der UN‑Frauenrechtskonvention (CEDAW), die ökonomische Selbstbestimmung und volle gesellschaftliche Teilhabe einfordern.
 
Wie es weitergeht
In den kommenden Monaten werden in mehreren Bundesländern sowie online weitere Austausch-Treffen stattfinden, bei denen Frauen* mit Behinderungen ihre Erfahrungen sichtbar machen und Strategien zur Entlastung von Mental Load teilen. Für den Weg zu mehr ökonomischer Selbstbestimmung wird eine Sammlung von Erfahrungen und Strategien erarbeitet sowie die systemischen Lücken und Probleme dokumentiert, mit denen Frauen* mit Behinderungen konfrontiert sind.

Die Ergebnisse werden in barrierefreien Formaten, wie z.B. Audio-Clips und Webinaren, auf der Website von FmB veröffentlicht. Zudem fließen sie in Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Praxis ein und sollen langfristig zu mehr Gleichstellung und Gewaltprävention beitragen.

Das Projekt wird zusätzlich in vereinfachter Sprache unter dem Titel „Geld und Frauen* mit Behinderungen – Wege zur Entlastung und mehr Selbstbestimmung“ kommuniziert, um möglichst viele Frauen* zu erreichen.
 
Über die Projektpartner
Das Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte (LBI‑GMR) ist Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung auf seinem Gebiet. Es treibt die Menschenrechtsforschung voran, vertritt einen menschenrechtsbasierten Ansatz und trägt zur Verbesserung der Menschenrechtsrealitäten in Österreich und im Ausland bei.

FmB – Interessensvertretung Frauen* mit Behinderungen ist die erste unabhängige Interessensvertretung von Frauen* mit Behinderungen in Österreich und steht für Anti-Ableismus, Feminismus und Intersektionalität.
Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG)

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine außeruniversitäre Forschungs- und Forschungsförderorganisation mit dem Fokus „Science for Society“. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen vor allem im Bereich Medizin, weitere Bereiche sind die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. Die LBG betreibt zusammen mit akademischen und anwendenden Partnern Ludwig Boltzmann Institute (LBI) und entwickelt und erprobt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen der Wissenschaft und nicht-wissenschaftlichen Akteur:innen wie der Zivilgesellschaft, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor. Mit dem Förderprogramm Klinische Forschungsgruppen (KFG) bietet die LBG Österreichs erste Förderschiene im Bereich der nicht-kommerziellen krankheits- und patientenorientierten (translationalen), konsortionalen klinischen Forschung. Teile der LBG sind das LBG Open Innovation in Science Center, das die Potenziale von Open Innovation für die Wissenschaft erschließt, und das LBG Career Center, das junge Forscher:innen bei der Erreichung ihrer individuellen Karriereziele inner- oder außerhalb der Wissenschaft unterstützt. lbg.ac.at

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Presse­kontakt

Uroš Prah (LBI GMR)

Uroš Prah
PR- und Kommunikationsmanager
Ludwig Boltzmann Institut für Grund- und Menschenrechte
Freyung 6 (1. Hof, Stiege II), 1010 Wien
Tel.: +43 1 4277-27465
uros.prah@lbg.ac.at